VIP-VR
Das Projekt VIP-VR ist eine von drei Teilstudien des Forschungsverbunds VIP- Videobasierte ambulante Psychotherapie, in dem innovative digitale Therapieformate systematisch untersucht werden. Mit VIP-VR untersuchen wir am ERI die Anwendbarkeit und Wirksamkeit der Virtual-Reality- Expositionstherapie (VRET) im ambulanten psychotherapeutischen Setting. Leitend ist dabei die Frage, inwiefern VRET einen gleichwertigen oder sogar überlegenen Beitrag zur psychotherapeutischen Versorgung leisten kann.
Ziel ist es, Virtual-Reality (VR) gestützte Expositionsverfahren in ein etabliertes psychotherapeutisches Setting zu integrieren. Geleitet wird die Studie von Prof. Dr. Michael Spaeth in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Thomas Berger (Universität Bern). Gefördert wird VIP-VR durch Drittmittel der AOK Sachsen-Anhalt. Die Studienkoordination liegt bei Julia Rosenbaum. Das Projekt wird in Kooperation mit dem MAPP-Institut durchgeführt.
Rolle von Wirkfaktoren
Im Zentrum von VIP-VR steht eine strukturierte Kurzzeittherapie in der Regelversorgung, die sich an Erwachsene mit folgenden Störungen richtet: Agoraphobie ohne Panikstörung (F40.00), Agoraphobie mit Panikstörung (F40.01), Soziale Phobie (F40.1). Vorab wird geklärt, ob das VR-gestützte Setting zur jeweiligen Symptomatik und Zielsetzung passt. Hierbei interessiert uns besonders, wie Patient:innen diese neue Therapieform erleben, welche Wirkfaktoren eine Rolle spielen und wie das Verfahren in bestehende Versorgungsstrukturen überführt werden kann. Die Perspektive der Patient:innen steht dabei im Mittelpunkt.
Realitätsnahe Übungsräume für aktive Behandlungserfahrung
Die Therapie über zwölf Sitzungen orientiert sich an aktuellen Leitlinien und wird durch angeleitete Expositionsübungen mit Virtual-Reality-Technologie ergänzt. Dabei wird eine zertifizierte Virtual-Reality-Software für die Exposition eingesetzt. Patient:innen setzen sich schrittweise ihren individuellen angstauslösenden Situationen aus – in einer sicheren, kontrollierten Umgebung und begleitet durch Psychotherapeut:innen in Ausbildung (PiAs) unter engmaschiger Supervision. Die Anteile der VRET sind in das Behandlungsmanual eingebettet. Darin werden VR-Expositionen in den Sitzungen sechs bis zehn empfohlen. VR erlaubt eine präzise Steuerung von Reizen und bietet auch dann realitätsnahe Übungsräume, wenn Konfrontationen im Alltag (noch) nicht möglich sind. Dadurch wird das therapeutische Vorgehen individualisierbarer und die Behandlungserfahrung für Patient:innen aktiv gestaltbar.
Erkenntnisse für die Versorgung von morgen
In der Studie kombinieren wir quantitative Umfragen und qualitative Interviews, um Erkenntnisse über die Machbarkeit, Akzeptanz und Effektivität von VRET zu gewinnen (sog. „Mixed-Methods-Design“. Die Ergebnisse werden dazu beitragen, relevante Faktoren und Empfehlungen für die Integration von VR in die klinische Praxis zu identifizieren. Zudem werden die wahrgenommenen Vor- und Nachteile des Einsatzes von VR für Therapeut:innen und Patient:innen beleuchtet. Die VIP-VR-Studie ist ein wichtiger Schritt in der Erforschung und Implementierung von innovativen Psychotherapieansätzen unter Verwendung von Virtual Reality.