VIP-PROJEKTE

Videobasierte ambulante Psychotherapie

VIP-Group, VIP-USE, VIP-VR

Das Forschungsprojekt Videobasierte ambulante Psychotherapie (VIP) ist ein Meilenstein unserer wissenschaftlichen Forschungsarbeit. Unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Spaeth untersuchen wir die Wirksamkeit und Anwendbarkeit digitaler Psychotherapieformate im ambulanten Setting. VIP gliedert sich in drei Teilstudien: VIP-Group, VIP-USE und VIP-VR. Ziel ist es, innovative Therapieansätze wie videobasierte Einzel- und Gruppensettings oder Virtual-Reality-Expositionstherapien systematisch zu erfassen und hinsichtlich ihrer Versorgungstauglichkeit zu prüfen. Im Zentrum stehen dabei die praktischen Erfahrungen, Wirkfaktoren und Perspektiven von Patient:innen und Therapeut:innen.

Die Studien liefern wichtige Erkenntnisse zur Gestaltung zukunftsfähiger psychotherapeutischer Versorgungsformate. Sie zeigen auf, wie digitale Psychotherapieformate strukturiert, wirksam und alltagsnah in bestehende Behandlungsprozesse integriert werden können – evidenzbasiert, praxisnah und patient:innenorientiert. Gefördert wird das Projekt durch Drittmittel der AOK Sachsen-Anhalt. Das Projekt wird in Kooperation mit der Universität Bern unter Leitung von Prof. Dr. Thomas Berger durchgeführt,  einem international führenden Forscher im Bereich digitaler Psychotherapie. Die Studien sind dem Schwerpunkt Klinische Psychologie zugeordnet.

VIP-VR

Virtual-Reality-gestützte Exposition bei Angststörungen

VIP-VR

Das Projekt VIP-VR ist eine von drei Teilstudien des Forschungsverbunds VIP- Videobasierte ambulante Psychotherapie, in dem innovative digitale Therapieformate systematisch untersucht werden. Mit VIP-VR untersuchen wir am ERI die Anwendbarkeit und Wirksamkeit der Virtual-Reality- Expositionstherapie (VRET) im ambulanten psychotherapeutischen Setting. Leitend ist dabei die Frage, inwiefern VRET einen gleichwertigen oder sogar überlegenen Beitrag zur psychotherapeutischen Versorgung leisten kann.

Ziel ist es, Virtual-Reality (VR) gestützte Expositionsverfahren in ein etabliertes psychotherapeutisches Setting zu integrieren. Geleitet wird die Studie von Prof. Dr. Michael Spaeth in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Thomas Berger (Universität Bern). Gefördert wird VIP-VR durch Drittmittel der AOK Sachsen-Anhalt. Die Studienkoordination liegt bei Julia Rosenbaum. Das Projekt wird in Kooperation mit dem MAPP-Institut durchgeführt.

Rolle von Wirkfaktoren

Im Zentrum von VIP-VR steht eine strukturierte Kurzzeittherapie in der Regelversorgung, die sich an Erwachsene mit folgenden Störungen richtet: Agoraphobie ohne Panikstörung (F40.00), Agoraphobie mit Panikstörung (F40.01), Soziale Phobie (F40.1). Vorab wird geklärt, ob das VR-gestützte Setting zur jeweiligen Symptomatik und Zielsetzung passt. Hierbei interessiert uns besonders, wie Patient:innen diese neue Therapieform erleben, welche Wirkfaktoren eine Rolle spielen und wie das Verfahren in bestehende Versorgungsstrukturen überführt werden kann. Die Perspektive der Patient:innen steht dabei im Mittelpunkt.

Realitätsnahe Übungsräume für aktive Behandlungserfahrung

Die Therapie über zwölf Sitzungen orientiert sich an aktuellen Leitlinien und wird durch angeleitete Expositionsübungen mit Virtual-Reality-Technologie ergänzt. Dabei wird eine zertifizierte Virtual-Reality-Software für die Exposition eingesetzt. Patient:innen setzen sich schrittweise ihren individuellen angstauslösenden Situationen aus – in einer sicheren, kontrollierten Umgebung und begleitet durch Psychotherapeut:innen in Ausbildung (PiAs) unter engmaschiger Supervision. Die Anteile der VRET sind in das Behandlungsmanual eingebettet. Darin werden VR-Expositionen in den Sitzungen sechs bis zehn empfohlen. VR erlaubt eine präzise Steuerung von Reizen und bietet auch dann realitätsnahe Übungsräume, wenn Konfrontationen im Alltag (noch) nicht möglich sind. Dadurch wird das therapeutische Vorgehen individualisierbarer und die Behandlungserfahrung für Patient:innen aktiv gestaltbar.

Erkenntnisse für die Versorgung von morgen

In der Studie kombinieren wir quantitative Umfragen und qualitative Interviews, um Erkenntnisse über die Machbarkeit, Akzeptanz und Effektivität von VRET zu gewinnen (sog. „Mixed-Methods-Design“. Die Ergebnisse werden dazu beitragen, relevante Faktoren und Empfehlungen für die Integration von VR in die klinische Praxis zu identifizieren. Zudem werden die wahrgenommenen Vor- und Nachteile des Einsatzes von VR für Therapeut:innen und Patient:innen beleuchtet. Die VIP-VR-Studie ist ein wichtiger Schritt in der Erforschung und Implementierung von innovativen Psychotherapieansätzen unter Verwendung von Virtual Reality.

VIP-USE

Videosprechstunde in der ambulanten Psychotherapie


VIP-USE

Das Projekt VIP-Use ist Teil des Studienverbunds VIP (Videobasierte ambulante Psychotherapie) zur Erforschung digitaler Therapieansätze und Versorgungsformate. Mit dem Projekt VIP-USE untersuchen wir am ERI, wie die videobasierte Psychotherapie im Praxisalltag eingesetzt, wahrgenommen und bewertet wird. Mit VIP-USE widmen wir uns der  Frage, wie häufig, unter welchen Bedingungen und mit welchen Einstellungen Videosprechstunden genutzt werden – sowohl während als auch nach der COVID-19-Pandemie. Besonderes Augenmerk gilt dabei den Chancen, Herausforderungen und Erfahrungen, die Psychotherapeut:innen im Umgang mit diesem digitalen Behandlungsformat gemacht haben.

Ziel ist es, evidenzbasierte Empfehlungen für eine langfristige und nachhaltige Integration der Videosprechstunde in die ambulante Versorgung zu entwickeln. Dabei stehen Perspektiven von Psychotherapeut:innen und Patient:innen gleichermaßen im Fokus. Die Studienleitung liegt bei Prof. Dr. Michael Spaeth in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Thomas Berger (Universität Bern). Die Studienkoordination übernimmt M.Sc. Julia Rosenbaum. Das Projekt wird mit Drittmitteln der AOK Sachsen-Anhalt realisiert und in Kooperation mit dem MAPP-Institut durchgeführt.

Veränderungen in der ambulanten Versorgung

Die COVID-19-Pandemie hat die Nutzung videobasierter Behandlungsformate schlagartig in den therapeutischen Alltag gebracht. Was zuvor zögerlich genutzt wurde, wurde zur notwendigen Alternative – mit weitreichenden Folgen für die ambulante Versorgung. Doch wie nachhaltig war dieser Umbruch? Und wie bewerten Psychotherapeut:innen die Videosprechstunde heute? VIP-USE verknüpft quantitative und qualitative Methoden, um die Erfahrungen von Psychotherapeut:innen systematisch zu erfassen. Die Studie VIP-USE besteht aus zwei Teilstudien, die unterschiedliche Aspekte untersuchen.

Datengrundlage für Fortbildungsprogramme

Im ersten Teil der Studie (VIP-USE I) lag der Fokus auf der Erstellung eines Fragebogens zur  quantitativen Erfassung von Erfahrungen, Umständen und Hindernissen im praktischen Einsatz der videobasierten Psychotherapie während der COVID-19-Pandemie. Befragt wurden niedergelassene Psychotherapeut:innen in den Ländern der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer (OPK), mit Ausnahme von Berlin. Ziel war es, Erkenntnisse zu gewinnen, die die gezielte Gestaltung von Fortbildungsprogrammen und Unterstützungsmöglichkeiten für Psychotherapeut:innen in Deutschland ermöglichen, um die Verbreitung der videobasierten Psychotherapie effektiver zu gestalten.

Erfahrungen mit videobasierter Psychotherapie

Der zweite Teil der Studie (VIP-USE II) befasst sich mit den Erfahrungen niedergelassener Psychotherapeut:innen im Zusammenhang mit der Videosprechstunde, insbesondere nach dem Ende der Pandemiebeschränkungen. Dabei wird anhand von Interviews und qualitativer Analysen untersucht, ob die Videosprechstunde als gleichwertige Alternative zur Präsenztherapie betrachtet wird und wie sie die ambulante Psychotherapie auf verschiedenen Ebenen verändert.

Digitale Versorgung alltagsnah gestalten

Mit VIP-USE trägt das ERI dazu bei, digitale Behandlungsmethoden wissenschaftlich fundiert in die psychotherapeutische Versorgung zu überführen. Die Studienergebnisse ermöglichen die evidenzbasierte Anpassung von Rahmenbedingungen und helfen dabei, digitale Formate alltagsnah und wirksam zu gestalten.

VIP-Group

Videobasierte Gruppentherapie zur Behandlung von Depressionen

VIP-Group

Das Projekt VIP-Group ist Teil des Studienverbunds VIP (Videobasierte ambulante Psychotherapie) zur Erforschung digitaler Therapieansätze und Versorgungsformate. Mit dem Projekt VIP-Group erforschen wir die Effektivität videobasierter Gruppentherapie zur Behandlung von Depressionen im ambulanten Setting. Leitend ist dabei die Frage, ob Gruppentherapie per Video eine gleichwertige Alternative zur Behandlung vor Ort darstellt. Besonders interessiert der detaillierte Symptomverlauf der Patient:innen sowie die wahrgenommenen Gruppenwirkfaktoren und wie sich diese in der Videobedingung im Vergleich zur Präsenzgruppe vor Ort verhalten.

Ziel ist es, wissenschaftlich fundierte Empfehlungen zur Integration videobasierter Gruppensettings in die psychotherapeutische Versorgung abzuleiten. Geleitet wird die Studie von Prof. Dr. Michael Spaeth in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Thomas Berger (Universität Bern). Gefördert wird VIP-Group durch Drittmittel der AOK Sachsen-Anhalt. Die Studienkoordination liegt bei Danielle Schewe und Jana Schneider. Das Projekt wird in Kooperation mit dem MAPP-Institut durchgeführt.

Kognitive Verhaltenstherapie im Gruppensetting

Rund 400 erwachsene Patient:innen nehmen an der randomisiert-kontrollierten Studie teil. Im Zentrum von VIP-Group steht eine Therapie mit zwölf Sitzungen, die sich an Erwachsene mit depressiver Episode richtet. Sie erhalten eine kognitive Verhaltenstherapie in Form einer ambulanten Gruppentherapie. In Vorgesprächen wird geklärt, ob Gruppentherapie das passende Format ist – inhaltlich und im Hinblick auf persönliche Ziele und Belastungen. Die Therapie wird entweder in Präsenz oder per Video durchgeführt, bei einer Gruppengröße von etwa sieben Teilnehmenden. Die videobasierte Gruppentherapie beruht auf einem wissenschaftlich fundierten Behandlungsmanual. Die wöchentlichen Sitzungen werden von qualifizierten Therapeut:innen geleitet, die die Gruppen engmaschig begleiten. Neben den Gruppensitzungen stehen die Therapeut:innen bei Bedarf für Einzelgespräche zur Verfügung.

Erkenntnisse für eine moderne Versorgung bei Depressionen

Als erste in dieser Größe angelegte Nicht-Unterlegenheitsstudie zur Wirksamkeit von Gruppentherapie per Video möchten wir Einblicke in die Effektivität und Umsetzbarkeit der videobasierten Gruppentherapie ermöglichen. Diese Ergebnisse können maßgeblich zur Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung von Menschen mit Depression beitragen. Während der Behandlung werden regelmäßig wissenschaftlich validierte Fragebögen eingesetzt, um Verlauf und Wirkung zu erfassen. Im Fokus stehen dabei zentrale Wirkfaktoren der Gruppentherapie, wie z.B. geteilte Erfahrungen, soziale Unterstützung und kollektive Lösungsstrategien. Die Perspektive der Patient:innen ist dabei maßgeblich für die Bewertung der digitalen Gruppentherapie als wirksames Versorgungsangebot. Die Studie liefert somit wichtige Erkenntnisse zur Akzeptanz, Machbarkeit und Effektivität der videobasierten Gruppenpsychotherapie und leistet damit einen Beitrag zur Weiterentwicklung zeitgemäßer, patient:innenorientierter Versorgungskonzepte im Bereich der Klinischen Psychologie.