PSYCHOSOZIALE PROJEKTE

Global Mental Health
kultursensibel stärken

Versorgungsforschung an der Schnittstelle von Medizin und Psychologie

Unter der Leitung von Dr. med. univ. Vincent Krenn widmet sich ein weiterer Forschungsschwerpunkt am ERI (Empowerment Research Institute) der Stärkung psychosozialer Versorgung in medizinischen Kontexten. Dieser Forschungsbereich umfasst derzeit zwei komplementäre Projekte: Das Projekt Global Mental Health in Low- and Middle-Income Countries (LMICs) ist ein international ausgerichtetes Vorhaben zur Entwicklung niedrigschwelliger psychosozialer Unterstützungsangebote in ressourcenschwachen Regionen. Das Projekt Patient:innenzentrierung bei muskuloskelettalen Infektionen ist ein forschungsbasierter Ansatz zur ganzheitlichen Einbindung psychosozialer Faktoren in hochspezialisierte chirurgische Behandlungsprozesse. Beide Projekte verfolgen einen praxisnahen, transdisziplinären Forschungsansatz und zielen darauf, evidenzbasierte Modelle psychosozialer Versorgung zu entwickeln, die strukturelle Versorgungslücken schließen und langfristig übertragbar sind.

MHC-HIV

Global Mental Health in Low- and Middle-Income-Countries (LMICs)

MHC-HIV

Das ERI widmet sich mit einem anwendungsorientierten Forschungsschwerpunkt der Verbesserung psychosozialer Versorgung in LMICs (Low- and Middle-Income Countries) in Subsahara-Afrika. Im Fokus stehen kulturell eingebettete Krankheitskonzepte (bspw. Vorstellungen von Hexerei), lokale Theorien mentaler Gesundheit (bspw. die Bedeutung von „innerer Stärke“ und „Willenskraft“) sowie individuelle und strukturelle Bewältigungsmechanismen (bspw. das Aufsuchen von traditionellen Heiler:innen).

Im Projekt MHC-HIV (Creating Mental Health Capacities for Nurses and Reducing Stigma among Hospital Staff for HIV/AIDS Patients in Rural Cameroon Mbouo) werden diese Dimensionen erstmals systematisch im Kontext von HIV/AIDS im ländlichen Kamerun untersucht. Ziel ist es, wissenschaftlich fundierte, lokal anschlussfähige Versorgungsansätze zu entwickeln, die zur Entstigmatisierung und zum Aufbau von psychologischer Versorgung beitragen.

Psychosoziale Versorgung stärken

Das Projekt von Vincent Krenn (Forschungskoordinator am ERI, Gastwissenschaftler der Charité Berlin – Universitätsmedizin Berlin Campus Mitte) und in Kooperation mit dem Protestant Hopîtal Mbouo – gefördert durch die Förderlinie Klinikpartnerschaften – Global (finanziert durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung [BMZ], umgesetzt von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit [GIZ]) – leistet das Projekt MHC-HIV einen Beitrag zum Aufbau psychosozialer Versorgungsangebote für Menschen mit HIV im ländlichen Kamerun.

Mehrdimensionaler Ansatz

Aktuell verfolgt das Projekt vor Ort einen mehrdimensionalen Ansatz psychosozialer Kapazitätsstärkung, d.h. Entwicklung von Wissen, Haltungen und institutionellen Strukturen zur nachhaltigen Förderung psychischer Gesundheit:

  1. Gezielte Anti-Stigmatisierungsinitiativen für HIV/AIDS im Krankenhauskontext,
  2. Weiterbildung von Pflegepersonal und Auszubildenden im Bereich Mental Health
  3. Aufbau einer ambulanten Anlaufstelle für psychische Gesundheit.

Schließung zentraler Versorgungslücken

Das Projekt MHC-HIV setzt auf kultursensible, gemeinschaftsbasierte Ansätze, um die psychosoziale Versorgung von Menschen mit HIV/AIDS im ländlichen Kamerun zu verbessern. Ziel ist es, psychosoziale Bedarfe, Versorgungsbarrieren und kontextspezifische Ressourcen auf individueller, professioneller und institutioneller Ebene zu identifizieren und strukturell zu adressieren. Dadurch trägt das Projekt zur Schließung zentraler Versorgungslücken im Bereich psychischer Gesundheit in Subsahara-Afrika bei und leistet einen Beitrag zur globalen Sichtbarkeit und Systematisierung mentaler Gesundheitsförderung in HIV-bezogenen Versorgungskontexten.

MI-CARE

Musculoskeletal Infection – Care and Psychosocial Response

MI-CARE

Das ERI untersucht im Rahmen eines kliniknahen Forschungsschwerpunkts, wie psychosoziale Versorgungslücken bei schwerwiegenden medizinischen Verläufen systematisch geschlossen werden können.

Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Patient:innen mit chronischen muskuloskelettalen Infektionen, etwa nach Endoprothesenimplantationen an Hüfte oder Knie. Diese Krankheitsbilder gehen häufig mit starken Belastungen einher, u.a. Verlust von Autonomie, Schmerzen, soziale Isolation, Zukunftsängste oder komplexen Rehabilitationsverläufen – die bislang kaum strukturell berücksichtigt wurden.

Ganzheitliche Therapiewege eröffnen

Das Projekt MI-CARE von Vincent Krenn (Forschungskoordinator am ERI, Mitglied der Forschungsgruppe Psychoendoprothetik an der Charité – Universitätsmedizin Berlin Virchow) und Teil des Forschungs-Teams der Pro-Implant Foundation. Ziel ist es, evidenzbasierte Konzepte zu entwickeln, die psychosoziale Betreuung eng mit chirurgischer Versorgung verzahnen und dadurch ganzheitliche Therapiewege eröffnen.

Ressourcenorientierter Ansatz

Der Ansatz der Forschungsgruppe ist ressourcenorientiert und kliniknah. Dazu gehört:

  1. Systematische Erfassung psychosozialer Bedürfnisse vulnerabler Patient:innen mittels qualitativer Interviews, validierter Fragebögen und klinischer Assessments.
  2. Erhöhung der Sichtbarkeit psychischer Belastungen wie Abhängigkeit von Pflege, Mobilitätseinschränkungen oder langfristige Antibiotikatherapien, um Behandlungs- und Rehabilitationspfade patient:innenzentrierter zu gestalten.
  3. Entwicklung niedrigschwelliger Interventionen, etwa psychologische Kurzberatungen nach komplexen operativen Eingriffen, Peer-Support-Elemente oder digitale Selbstmanagement-Module, die sich in Routinen stationärer und ambulanter Versorgung integrieren lassen.

Strukturelle Berücksichtigung psychosozialer Aspekte

Durch diesen mehrdimensionalen Ansatz verbindet das Projekt MI-CARE klinische Exzellenz mit psychosozialer Expertise, um die ganzheitliche Genesung von Patient:innen mit muskuloskelettalen Infektionen zu fördern. Langfristig sollen die Ergebnisse als Modell für eine patient:innenzentrierte Infektiologie und Endoprothetik dienen und damit Lücken in der strukturellen Berücksichtigung psychosozialer Aspekte in spezialisierten Versorgungskontexten schließen.