MI-CARE
Das ERI untersucht im Rahmen eines kliniknahen Forschungsschwerpunkts, wie psychosoziale Versorgungslücken bei schwerwiegenden medizinischen Verläufen systematisch geschlossen werden können.
Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Patient:innen mit chronischen muskuloskelettalen Infektionen, etwa nach Endoprothesenimplantationen an Hüfte oder Knie. Diese Krankheitsbilder gehen häufig mit starken Belastungen einher, u.a. Verlust von Autonomie, Schmerzen, soziale Isolation, Zukunftsängste oder komplexen Rehabilitationsverläufen – die bislang kaum strukturell berücksichtigt wurden.
Ganzheitliche Therapiewege eröffnen
Das Projekt MI-CARE von Vincent Krenn (Forschungskoordinator am ERI, Mitglied der Forschungsgruppe Psychoendoprothetik an der Charité – Universitätsmedizin Berlin Virchow) und Teil des Forschungs-Teams der Pro-Implant Foundation. Ziel ist es, evidenzbasierte Konzepte zu entwickeln, die psychosoziale Betreuung eng mit chirurgischer Versorgung verzahnen und dadurch ganzheitliche Therapiewege eröffnen.
Ressourcenorientierter Ansatz
Der Ansatz der Forschungsgruppe ist ressourcenorientiert und kliniknah. Dazu gehört:
- Systematische Erfassung psychosozialer Bedürfnisse vulnerabler Patient:innen mittels qualitativer Interviews, validierter Fragebögen und klinischer Assessments.
- Erhöhung der Sichtbarkeit psychischer Belastungen wie Abhängigkeit von Pflege, Mobilitätseinschränkungen oder langfristige Antibiotikatherapien, um Behandlungs- und Rehabilitationspfade patient:innenzentrierter zu gestalten.
- Entwicklung niedrigschwelliger Interventionen, etwa psychologische Kurzberatungen nach komplexen operativen Eingriffen, Peer-Support-Elemente oder digitale Selbstmanagement-Module, die sich in Routinen stationärer und ambulanter Versorgung integrieren lassen.
Strukturelle Berücksichtigung psychosozialer Aspekte
Durch diesen mehrdimensionalen Ansatz verbindet das Projekt MI-CARE klinische Exzellenz mit psychosozialer Expertise, um die ganzheitliche Genesung von Patient:innen mit muskuloskelettalen Infektionen zu fördern. Langfristig sollen die Ergebnisse als Modell für eine patient:innenzentrierte Infektiologie und Endoprothetik dienen und damit Lücken in der strukturellen Berücksichtigung psychosozialer Aspekte in spezialisierten Versorgungskontexten schließen.